Fange an, die Angst zu jagen

Fange an, die Angst zu jagen

„Buh!“

Setum zuckt erschreckt zusammen und versteckt sich unter dem nächsten dichten Busch.

„Ha! Ha! Ha! Du Angsthase! Wir können dich jedesmal so klasse ärgern! Pass gut auf dich auf! Das nächste Mal kommst du uns nicht so leicht davon!“

Grölend ziehen die beiden Jungs aus dem Nachbardorf weiter.

Setum wartet, bis die Jungs aus seinem Sichtfeld sind. Dann kommt er zitternd aus dem Versteck hervor.

‚Ich glaube, sie sind weg.‘

Immer wieder dreht er sich um, während er den Waldweg nach Hause rennt.

‚Oh Mist! Jetzt habe ich mir noch den Fuß verknackst! Blöde Wurzel!‘

Humpelnd setzt er seinen Weg fort. Und wieder dreht er sich um.

„Autsch! Was…!“

Plötzlich steht eine riesengroße Wand direkt vor ihm auf dem Weg. Eine Wand? Er drückt vorsichtig in die seltsame Masse. Was ist das? Es gibt nach, doch ist undurchdringlich.

Jedenfalls sind das nicht die Jungs von vorhin. Ängstlich geht er ein Stück zurück, um einen Weg um dieses Hindernis herum zu finden.

‚Was soll ich jetzt tun? Hinter mir die blöden Jungs, vor mir eine Wand, und nun?‘

 

„Halt! Bleibe stehen, sonst zertrete ich dich noch!“

„W-w-wer bist du? W-w-wo bist du?“

Setum weiß nun gar nicht mehr wohin er sich wenden soll. Erstarrt schaut er sich um. Wo kommt die Stimme her? Sie dröhnt so laut von überall her. Resigniert setzt er sich auf den Boden.

‚Jetzt ist eh‘ alles egal.’

Erschrocken und gleichzeitig fasziniert schaut er auf die Wand vor sich. Sie beginnt, sich zu bewegen. Es scheint, als ob sie sich etwas zurück bewegt. Sofort springt er auf und will weiter laufen.

„Bleibst du da, wo du bist! Ich will mit dir reden.“

Während die Wand zurück weicht, erscheint ein mit riesengroßen Krallen ausgestatteter Fuß vor ihm.

„W-w-was ist das denn? Bin ich in Jurassic Park?“

„Nein. Du bist noch immer in deinem Wald. Warte einen Moment. Ich mache mich nun etwas kleiner, damit wir in Augenhöhe reden können.“

Vor Setums  Augen schrumpft der Fuß tatsächlich deutlich und so langsam erkennt er, was da vor ihm steht.

„Oh Mann! Du bist ja ein Drache! Das gibt’s doch gar nicht!“

Fast vergisst er seine Angst, doch dann erscheint der immer noch große Drachenkopf vor ihm.

„W-w-was willst du von mir? Bitte tu’ mir nichts. Und für dein Essen bin ich viel zu klein.“

„Meinst du, mit so einer kleinen Portion wäre ich zufrieden? Hahaha! Nein, im Ernst, ich esse gar nichts. Ich lebe in einer anderen feinstofflichen Dimension und benötige keine stoffliche Nahrung.“

„Äh… Was bedeutet das?“

„Hast du schon mal etwas von Schutzengeln gehört?“

„Ja. Aber den gibt’s nicht. Er hilft mir ja auch nicht.“

„Hast du ihn schon einmal um Hilfe gebeten?“

„Nee. Wie soll ich wen um Hilfe beten, den es gar nicht gibt?“

„Siehst du mich? Und hast du mich eben berührt? Bis gerade hast du auch nicht an lebendige Drachen geglaubt. Oder?“

„Nicht wirklich. Sie kommen nur in Märchen vor.“

 

Obwohl der Drachenkopf mit seinen riesigen Fangzähnen erschreckend aussieht, fühlt sich Setum immer ruhiger. Wie hypnotisiert schaut er in das Drachenauge des Kopfes, der nun vor ihm auf dem Boden liegt.

„Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Rumanaat. Ich gehöre zu den Erddrachen. Ich beobachte dich schon eine ganze Weile. Warum hast du so viel Angst vor diesen Jungs? Warum hast du überhaupt Angst?“

Verdutzt schaut Setum den Drachen an.

„Ähm, weil ich klein bin. Weil jeder stärker ist als ich. Das ist schon immer so. Keiner mag mich. Schon mein Papa hat mich immer geschlagen.“

„Ja, ich weiß das. Da hast du dir eine schwierige Aufgabe in diesem Leben gewählt. Magst du nun einfach mal anerkennen, dass du noch am Leben bist? Und magst du anerkennen, dass du gerade mit einem sehr großen und gefährlichen Drachen redest?“

„Und wenn ich mir dich nur einbilde und du bist gar nicht echt?“

„Hahaha! Dann hast du eine sehr starke Fantasie! Hast du dir jemals erträumt, dass dir ein Drache begegnen könnte?“

„Nein. Ich kann mich nicht daran erinnern.“

„Na also. Lassen wir das. Kannst du nun endlich mal deinen Lebenswillen anerkennen?“

„Naja. Ja. Ich lebe noch. Aber wie? Es ist zum kotzen. Ich mag einfach nur noch weglaufen Aber wohin?“

„Du wirst nun etwas lernen, dass du nie mehr weglaufen musst. Willst du wissen, was?“

Setum nickt.

„Kehre alles um.“

„Was?“

„Beginne mal mit deinem Namen. Wie heißt er rückwärts gesprochen?“

„Mutes.“

„Ha! Jawohl! Und warum bedienst du dich nicht deines Mutes? Bedenke: So groß, wie deine Angst ist, ist auch dein Mut.“

„Wenn ich so groß wäre wie du, müsste ich gar keine Angst haben. Mut kenne ich nicht.“

„Du wirst heute zwei Dinge lernen. Zum einen, wie du dich groß machst, und zum Anderen, wie du selber zum Jäger wirst.“

„Wenn Jeder so lieb zu mir wäre wie du, wäre das ganz leicht. Aber…“

Setum läßt traurig den Kopf hängen. Doch bevor er ganz in seine Emotionen versinkt, wird er von Rumanaats langer Zunge unsanft zu Boden geschubst.

„Hey! Was soll das? Ich dachte, du meinst es gut mit mir? Jetzt machst du das Gleiche wie alle anderen.“

Deine erste Lektion: Verliere dich nicht in deinen Emotionen, weder in Traurigkeit oder Angst oder Wut oder was auch immer. Sie bringen dich aus deinem Gleichgewicht und aus deiner inneren Kraft.

Hast du schon einmal einen Kampf zwischen zwei Kung-Fu Meistern beobachtet? Sie bleiben stets wachsam und frei von Emotionen. Erst dann können sie sich ganz auf den Gegner einlassen und im rechten Moment das Richtige tun. Im übrigen wäre das auch ein gutes Training für dich. Suche dir einen Kampfsport, der dir wirklich gefällt. Das Training ist gut für Körper, Seele und Geist.

Für den Augenblick habe ich eine kleine Übung für dich: Nutze den Atem für dich. Ich sage dir nun ein paar Sätze, und Beim Ausatmen sagst du dir: ‚Ich atme den Ärger aus.‘ Beim Einatmen denkst du: ‚Ich atme Ruhe ein.‘

Oder ‚Ich atme die Wut aus.‘ ‚Ich atme Gelassenheit ein.‘

Oder ‚Ich atme die Angst aus.‘ ‚Ich atme Mut ein.‘

Oder ‚Ich atme den Zweifel aus. ‚Ich atme Zuversicht ein.‘“

 

Beim Atmen beobachtet Setum, dass er ruhiger wird. Er schließt entspannt seine Augen, so wohl fühlt er sich gerade.

„Sehr gut machst du das.“ Rumanaat grunzt zufrieden.

„Und nun kommt die nächste Lektion. Auch dafür zeige ich dir eine Übung. Zwar kannst du  deinen physischen Körper nicht mal eben wachsen lassen, doch du kannst es dir vorstellen. Du bist ein energetisches Wesen und hast auch einen energetischen Körper. Mit diesem kannst du dich ausdehnen. Lasse die Augen zu und stell’ dir vor, wie es geschieht. Auch dafür kannst du den Atem nutzen, wenn du magst. Bei jedem Ausatmen dehnst du dich aus, nach vorne, nach hinten, zu jeder Seite, nach oben und nach unten. Mach das mal so lange, bis du dich so groß siehst wie mich. Okay?“

Nach einer Weile sieht sich Setum so groß wie ein Baum, und nach einer Weile schwebt er sogar über dem Wald.

„Oh, das ist ja cool!“

Und, Plumps, sitzt er wieder auf dem Boden. Doch er strahlt Rumanaat an. So gut hat er sich noch nie gefühlt.

„Übe das, so oft du magst, bis es zu deiner zweiten Natur wird. Du kannst dich auch gerne mit einem Baum verbinden. Weißt du, dass seine Wurzeln so groß sind wie seine Krone? Sie haben zwar nicht immer die gleiche Form, doch sie werden umso stärker, je größer der Baum wird. Steh’ bitte mal auf und stelle dir vor, wie Wurzeln aus deinen Füßen in die Erde wachsen. Und nun wachse genauso nach oben. Wie fühlt sich das an?“

„Wow! Ich habe das Gefühl, dass ich ganz fest stehe. Und ich fühle mich stark.“

 

„Na also! Jetzt bist du bereit für unser kleines Spiel. Es heißt:

Fang an, die Angst zu jagen!

 

„Wie soll das denn gehen? Die Angst ist doch in mir!“

„Du bist ein kluger Junge. Ja, du hast recht. Nun sage mir bitte, was deine größte Angst ist. Ach, und habe keine Angst davor, dieser Angst zu begegnen. Gut?“

„Dass mein Papa oder die Jungs mich tot schlagen.“ platzt es aus Setum heraus.

„Ist es bis jetzt geschehen?“

„Nein. Aber…“

„Es wird auch nicht geschehen. Du hast gewählt, zu leben und groß zu werden. Dieser Wille ist stärker als der der anderen Menschen. Nun setze dich einfach ganz dicht an mich heran und lehne dich gemütlich an meinen Hals. Fühlst du dich gut?“

Setum nickt.

„Mache bitte wieder deine Augen zu und sieh dir mit meiner Hilfe deine Angst an. Was sagt sie dir? Und was will sie von dir?“

„Ich habe Angst vor der Angst. Sie ist wie ein riesiger Schatten. Ich höre nichts. Ich will weg.“

„So. Und nun dehne dich aus wie vorhin bei der Übung. Mach dich größer als der Schatten und beginne, die Angst zu jagen. Was passiert jetzt?“

Nach einer Weile antwortet Setum ganz aufgeregt:

„Diese Angst ist mein Freund! Sie will mir helfen, stark zu werden und größer zu werden als sie! Und auf einmal ist der Schatten ganz hell geworden!“

„Wunderbar. Dann bedanke dich bitte bei der Angst und frage sie, ob sie ein Geschenk von dir möchte.“

„Sie will, dass ich sie lieb umarme…“

„Sehr schön. Du hast wirklich viel Mut. Nun atme ein paar mal tief ein und aus und öffne wieder deine Augen. Wie geht es dir nun?“

„Ich fühle mich richtig stark. Doch was ist, wenn ich wieder zu Hause bin?“

„Dafür gebe ich dir noch etwas mit. Nutze die Atemübung, um immer wieder deine Angst auszuatmen. Den sie wird ganz automatisch wieder entstehen. Es braucht ein wenig Zeit und Übung. Doch du schaffst das. Und nun…

 

Sei bereit, töten zu wollen. Achtung! Das heißt nicht, dass du nun töten sollst. Sei dir bewusst, dass du jeden Augenblick neu wählen kannst. So kannst du dir in einem Augenblick wünschen, jemanden zu töten, und im nächsten Augenblick das Gegenteil. Übe das nun mit mir. Stell’ dir nun vor, wie ich dich schlagen will. Und nun sagst du mir: ‚Wenn du damit nicht aufhörst, dann töte ich dich.‘ So lange, bis ich es dir glaube. Und nun los.“

„Wenn du damit nicht aufhörst, dann töte ich dich.“ kommt es zaghaft aus Setum.

„Na. Bitte mehr Überzeugungskraft. Wenn ich jetzt eine Fliege wäre, die ständig in deinem Essen herum krabbelt, wäre es leichter. Oder?“

Weitere Versuche folgen. Nach einer langen Weile ist es endlich soweit, und Setum hat die richtige Überzeugungskraft in sich gefunden.

„So, mein Lieber. Nun bist du soweit. Wie fühlst du dich?“

„Ich weiß nicht. Irgendwie ruhiger, sicherer und klarer. Es fühlt sich gut an. Doch ich will niemanden töten.“

„Das brauchst du auch nicht. Doch sobald du diese klare Haltung zulassen kannst, wirst du deinen Gegner überrumpeln. Du musst diesen Satz nicht einmal aussprechen, und wenn, dann nur einem Gegner alleine ohne Zeugen. Die Situation wird sich verändern. Und dann wählst du, nicht mehr töten zu wollen. Kapiert?

Kombiniere all diese Übungen, und du wirst der Umkehrung deines Namens würdig: Der Junge des Mutes.“

 

© Angelika Schumann, 2021

 

Fange an, die Angst zu jagen – Ergänzende Fragen zu der Geschichte:

 

  • Was sind deine Ängste? Kannst du sie formulieren? Schreibe sie auf.
  • Wie groß ist jede Angst? Beziffere sie von 1 (nur gering) bis 10 (unerträglich stark).
  • Frage bei jeder Angst: Gehört sie überhaupt dir oder gehört sie jemand anderem? Wenn du das Gefühl hast, dass sie dir nicht gehört, schicke sie an die Absender zurück.
  • Ist die jeweilige Angst nur konstruiert oder dir anerzogen worden? Wenn ja, darfst du sie sogar zerstören oder ungeschehen machen.
  • Was wäre, wenn jede Angst nur eine Einbildung wäre und gar nicht existent? Wie würdest du dich fühlen? Wie wäre dein Leben?
  • Was ist Angst überhaupt? Erkenne den Unterschied zwischen lebensrettender Furcht und unergründlicher Angst.
  • Gibt es „Angst“ überhaupt, oder ist sie nur etwas, das dich von deiner wahren Größe und Kraft ablenken und abhalten soll? Ist Angst nur eine Lüge?
  • Dient Angst nur der Spaltung? Wie wäre dein Leben ohne Spaltung oder Dualität? Die Dualität wurde geschaffen, um Spaltung und Trennung vom Einssein zu kreieren, um dich aus deiner wahren Kraft und der Vollkommenheit als göttliches Wesen abzuhalten, um dich klein und abhängig zu machen. Brauchst du das noch?
  • Wie wäre dein Leben, wenn du verwurzelt wie ein Baum, aufrecht nach oben ausgerichtet, im Leben stehen würdest. Wäre da noch Raum für Angst?
  • Und noch ein paar Gedanken zur aktuellen Situation dieser Zeit: Wie würdest du mit der aktuellen Lage der sogenannten Pandemie und den Anordnungen umgehen, wenn du keine Nachrichten hören würdest? Die eigentliche Pandemie ist das Spiel mit unserer Angst. Mehr nicht. Was wäre, wenn du auch hier keine Angst mehr hättest?
  • Wissen ist Macht. Je mehr du dich außerhalb der Mainstream Medien beginnst zu informieren, desto sicherer wirst du dich fühlen. Du wirst die Angststrategien der Regierung durchschauen und als eigenverantwortlich denkender Mensch mutig deinen Weg der Befreiung gehen. Wir sind souveräne Menschen und keine Sachgüter, was das Wort Person definiert.
  • Wenn du keine Angst mehr hast, würdest du dich dann impfen lassen mit einem Wirkstoff, der nicht ausreichend getestet wurde? Wenn du von den vielen Impfschäden und Todesfällen direkt nach der Impfung wüßtest, würdest du dich dann immer noch impfen lassen? Wissen ist Macht.
  • Wenn du dich als Schöpferwesen anerkennen würdest, könntest du sogar wieder deine Selbstheilungskräfte erkennen und sie mit gesunder Lebensweise stärken wie gesunde Ernährung, Sport, frische Luft, Freude und Lachen.
  • Und wie würde sich dein Leben ändern, wenn du zu Jemandem, der etwas Ungehöriges von dir möchte, mit wahrer Überzeugung sagst: „Wenn du damit nicht aufhörst, dann töte ich dich.“ Ich weiß, das ist provozierend, aber es funktioniert. Höre dir das Ende der Geschichte noch einmal an, bzw. lese es.

 

Wenn du magst, spiele ein wenig mit den Übungen in der Geschichte, und schreibe mir gerne von deinem Ergebnis.

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